15. Mainova Ironman European Championship

15. Mainova Ironman European Championship

TRC Athleten und Supporter beim 15. Mainova Ironman European Championship und DTU Meisterschaft auf der Langdistanz 2016 am Sonntag 03. July 2016 – Ein Rückblick aus der Teilnehmer-Perspektive.

I. Die Vorbereitung

Die Vorbereitung für ein Rennen im Format der Langdistanz mit 3,8 Schwimmkilometern im Freiwasser, gefolgt von flotten 180 Kilometern ohne Windschattenfreigabe dafür mit einigen Höhenmetern auf dem Zeitrad und einem anschließenden 42,2km Marathon über den von Tausenden jubelnden Zuschauern umsäumten Frankfurter Mainkai erfordert Disziplin, ein gewisses Maß an Flexibilität, mentale Stärke und viel Verständnis und Unterstützung von Familie, Freunden und Berufskollegen.

Optimalerweise kann man dabei im Training und bei der Planung auf die Erfahrung und Ressourcen von wettkampferprobten Veteranen des Iron Man und einem vielseitigen und angeleiteten Technik- und Ausdauertrainingsangebot eines guten Vereins zählen. So reduziert sich die Anzahl ineffizienter Stunden des Kachel-Zählens im Schwimmbecken beträchtlich. Einsame Phasen des Hungerasts in der Wildnis, nachdem die letzte CO2-Patrone verschossen und die Akkuladung des rettenden Mobiltelefons dem Glykogen-Speicher seines Besitzers angenähert hat, lassen sich dann ebenso vermeiden, wie das Risiko, bei Hagel und nassen Laufsocken auf dem achtzehnten Kilometer des langen Nüchternlaufs, den Sinn der ganzen Unternehmung in Zweifel zu ziehen.

Gleich vier TRC-Athleten konnten der Versuchung nicht widerstehen, nach der Betrachtung der Hitzeschlacht des Iron Man Frankfurt 2015 vom heimischen Sofa, mit Kaltgetränk in der Hand, sich und ihren Familien, die positiven Seiten der Königsdisziplin unseres Sports schmackhaft zu machen. Die stattliche Anmeldegebühr verblasste gegenüber der Aussicht, mit den Größen des Profisports auf der Strecke zu schwitzen, oder den eigenen Schwamm in einen Eiswasserkübel zu tünchen, in dem zuvor ein angehender Weltmeistermeister mit Streckenrekord sein Haupt versenkt hatte.

Als früherer Europameister seiner Altersklasse und erfahrener Hawaii-Veteran, war mit Markus Kriege der Mannschaftskapitän schnell ermittelt und die Trainingsgruppe gebildet. Er ließ auch keine Zweifel aufkommen, dass er zu Beginn der AK 50 einen der begehrten WM-Slots für Hawaii anstrebt.

Mit dem ebenfalls erfahrenen Carsten im Brahm war ein starker und zuverlässiger Trainingspartner mit an Board. Als Finisher der Hitzeschlacht von 2015, mit Temperaturen um die 40°C, wusste Carsten im Brahm genau auf was er sich in Frankfurt einlässt.

Bereits Ironman Christian Steins hatte noch eine Rechnung zu begleichen, da ein früherer DNF auf der Radstrecke nicht ungesühnt in der Vita bleiben durfte.

Es lässt sich kein Ratgeber finden, der nicht von einer zu frühen Teilnahme an einem Langstrecken-Triathlon abrät. Mit einer einzigen Triathlon Saison in den Beinen, ist Najib Nassar entweder der unvernünftigste oder naivste Starter in der Gruppe, womöglich beides gleichzeitig.

Abb. 1 – Gute Triathleten werden im Winter geboren

Gute Triathleten werden im Winter geboren. Daher wurde die kurze Saisonpause zum Austausch von Trainingsplänen und Ernährungsstrategien genutzt bevor die frühe Vorbereitungsphase im Spätherbst ihre konkrete Gestalt annahm. Glücklicherweise konnten die Langstreckler dabei auf ein breites Trainingangebot des TRC und der SG-Essen zurückgreifen. Dieses ließ sich mit den spezifischen Einheiten individuell ergänzen.

Angeleitet von Guido Borchers, konnten die Athleten jeden Freitag ihre Schwimmtechnik auf der kurzen Bahn verbessern. Im Rüttenscheider Schwimmzentrum gab es auf der langen Bahn jeden Wochentag die Möglichkeit zum Training um 20:00 Uhr sowie Samstags um 16:00 Uhr. Im Sommer gab es im Gruga-Bad die begehrten Saison-Karten zum ergänzenden Training. Die kalte Witterung half dabei, die Bahnen für uns wetterfesten oder Neo-bestückten TRC’ler frei zu halten.

Sonntags traf man sich Morgens am Regatta-Turm zum Radeln mit den Vereinskollegen, wobei die Bereitschaft, Körper und Material bei Nässe und Kälte zu bewegen, bei den Langstrecklern ausgeprägter als bei den anderen TRC-Raketen zu sein schien. Natürlich hat man unter der Woche auch häufig gemeinsam das Zweirad bewegt, denn für monotones Training auf der Rolle hatten weder die Athleten noch ihre Familien etwas übrig.

Kathi Buth sorgte zusammen mit Guido Borchers im Rahmen des Stabi- und Athletiktraining dafür, dass die für die Langdistanz überaus wichtige Rumpfmuskulatur nicht vernachlässigt wird und die Gelenke, Bänder und Faszien geschmeidig und beweglich bleiben. Cross-Training in der Gruppe sorgte für zusätzliche Kraft und Motivation.

Abb 2 – Erster Trainingslager der härtesten Langstreckler auf Fuerta

Im Januar 2016 trafen sich die ambitionieren Eisenmänner zu einem ersten Trainingslager auf Fuertoventura und sammelten die ersten tausend Kilometer auf dem Rennrad. Das Laufen und Schwimmen kamen dabei nicht zu kurz und wurden während des offiziellen TRC-Trainingslagers auf Mallorca im frühen März verdoppelt. Dort kamen die ersten langen und ruhigen Radeinheiten bis etwa 175 km zu Stande und wurden in zahlreichen gemeinsamen Ausfahrten in wechselnder Besetzung u. A. mit Thomas Jany, Jan Seewald, Christian Laschet, Friedeman Gobrecht, Tobias Hoffmann und einigen Freunden vom benachbarten Essener Starlight-Team in Deutschland fortgesetzt. Neben dem Wechseltraining wurden die Radfahrten auf dem Zeitrad mit immer längeren Koppeleinheiten und Läufen ergänzt, bevor nach der Spitzenwoche die Taperingphase begann.

Abb. 3 – Zweiter Trainingslager im südlichen Mallorca im Frühjahr

Najib ließ seine Sitzposition und Radgeometrie von Holger Röthig auf dem Zeit- und Rennrad sachkundig und professionell optimieren, während Markus bei unserem Sponsor „Die Edelhelfer“ nach intensiver Beratung durch Carsten Schlieter und zeitaufwändigem Bike-Fitting, ein nagelneues „MrT2“ von Simplon® als die optimale Rennmaschine für sich entdeckte. Das Material wurde in zahlreichen gemeinsamen Ausfahrten samt Zubehör auf Herz und Nieren getestet und weiter verbessert.

Abb. 4 – Markus Kriege in der Waffenschmiede

Die Starts in der Verbands- Ober- und NRW-Ligen des NRWTV wurden dennoch, aus dem vollen Training heraus, erfolgreich gemeistert und erlaubten damit etwas Standortbestimmung und Wettkampfhärte, bevor die müden Beine rechtzeitig vor dem Start in Frankfurt aufgelockert werden mussten. Dabei hat Markus einen schweren grippalen Infekt zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt, Carsten sogar eine Woche vor seinem Start zu überstehen, während Christian eine Muskelzerrung in der Wade auskurieren musste. Nun galt es, sich rechtzeitig mental und körperlich zu aktivieren, um beim Wettkampf in Frankfurt am Main die bestmögliche Leistung abrufen zu können.

Abb. 5 – Die ersten Ligawettkämpfe in Hagen

II. Das Wochenende vor dem Wettkampf

Am Freitag vor dem „längsten Tag des Jahres“ bezogen die Athleten ihr Quartier in der Nähe des Römers im Herzen von Frankfurt am Main. Die letzten Vorbereitungen und ein Test-Lauf auf der Wettkampfstrecke vor der Abholung der Startunterlagen und dem obligatorischen Besuch auf der Expo mussten absolviert werden. Danach erfolgte der gemeinsame Transport der Zeithobel zum check-in bei der ersten Wechselzone am Langener Waldsee.

Abb. 6. – Ausladen zum Bike Check-in

Dort, knapp 15 km südlich von der zweiten Wechselzone am Mainkai entfernt, gab es die erste kleinen Herausforderung für das Nervenkostüm. Nach dem Einchecken waren technische Probleme an Christian’s und Najib’s Rennmaschinen zu beheben, ohne die Option, die Wechselzone zum Service-Bereich verlassen zu können. Ein Service-Mitarbeiter überließ freundlicherweise die benötigten Werkzeuge und die Zeitmaschinen konnten wieder Startklar gemacht werden.

Nun galt es den ersten Beutel samt Helm, Radschuhen und Wettkampfverpflegung aufzuhängen wasserdicht zu verschließen, da Regen und Kälte angekündigt waren. Bei über dreitausend Startern aus 60 Nationen muss man sich die Stelle gut einprägen, um nach dem Schwimmausstieg unnötige Hektik im Laktat-Rausch zu vermeiden. Den WTF-eigenen Chip bekommt man am linken Knöchel eingebaut. Dieser wird nicht nur für die Zeitmessung, sondern auch für die Herausgabe der geliebten Karbonrenner nach dem Wettkampf benötigt.

Carsten gab als erfahrener Schwimmer wichtige letzte Tipps zur Orientierung im Freiwasser. Als Besonderheit der Schwimmstrecke ist ein australischer Landgang bei Kilometer 1,5 zu erwähnen. Dieser kann zwar als mentaler Vorteil gewertet werden, erlaubt es doch eine Unterteilung der Strecke in Abschnitten vor und nach dem Ausstieg, jedoch darf die Kreislaufbelastung ebenso wenig unterschätzt werden, wie die Gefahr von Muskelkrämpfen beim Aufstehen.

Zurück in Frankfurt, das gleiche Procedere in der zweiten Wechselzone: Beutel mit Laufschuhen und Socken gut verschlossen aufhängen, sonst gibt es Morgen nasse Füße. Nathalie hat das Support-Team und die Betreuung akribisch geplant, damit konnten sich die Athleten stressfrei auf das vor ihnen liegende Martyrium fokussieren. Also noch eine kurze Erholungsphase vor der privaten Pasta-Party im Kreise der Freunde und Familien, die zahlreich aus Essen angereist sind.

Abb. 7 – Pastaparty

III. Der längste Tag des Jahres

Beim Ironman ist es gefühlt immer Sommersonnenwende. Während sich die Profi-Männer auf einen knapp achtstündigen Arbeitstag freuen dürfen, müssen die Altersklassenathleten in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihrem Leistungsvermögen mit unbezahlten Überstunden rechnen. Da auf dem Römer um 22:00 Uhr Zapfenstreich ist, endet der längste Arbeitstag spätestens nach 15 Stunden. Daran wollte und musste sich glücklicherweise keiner aus unserem Verein orientieren. Allerdings geht dem längsten Tag die kürzeste Nacht des Jahres voraus, die in diesem Falle aufgrund des erst im Elfmeter-Schießen gewonnenen EM-Spiels unserer Fußball-Nationalmannschaft gegen Italien mit anschließendem Auto-Corso durch Frankfurt besonders kurz ausfiel.

Wecker erschlagen um 03:30. Doch noch aufstehen um 03:45. Frühstück um 04:00. Shuttle um 04:20. Hier wurden die Athleten leider bereits von ihren Familien getrennt, also galt es schnell sich zu verabschieden. Kurz nach fünf Uhr Ankunft am langener Waldsee. Schnell den Beutel mit den Wechselklamotten in den LKW werfen, damit wir abends trockene Sachen haben. Beutel öffnen. Helm, Schuhe und Brille am Rad anbringen. Am Dixi-Klo anstehen. Sich in die Neo´s quetschen, gegenseitig die Nacken und Schulter einschmieren, stolz für das Gruppenbild posieren und gute Beine wünschen bevor es in Richtung Schwimmstart geht. Es herrscht eine positive und zuversichtliche Stimmung.

Abb. 8 – Modenschau im Neopren-Anzug

In diesem Jahr gab es beim Schwimmstart ein Paar Besonderheiten:

1. Der rollende Start: Jeder Athlet durfte sich entsprechend seines Schwimmvermögens, gemessen an der erwarteten Schwimmzeit, in eine Gruppe anreihen. So reihten sich Markus und Carsten als exzellente Schwimmer in der >1h-Gruppe. Najib traute sich nur eine 1:00-1:10 zu. Christian wollte das Schwimmen defensiver angehen und ließ sich bei der 1:30’er Gruppe nieder. Um 6:30 fiel der Startschuss für die Profi-Männer, die ebenso wie die 2 Minuten später startenden Profi-Frauen bei 22,0°C Wasser- und 10°C Außentemperatur ohne Neo schwimmen mussten.

Nach dem Kanonenschlag durften sich alle Paar Sekunden etwa 12 Age-Grouper von Land aus mit Neo in den See stürzen. Mittels der Chip-Messung wurde die Netto-Zeit gemessen, dadurch musste kein Athlet befürchten, am Ende des langen Renntages eine schlechtere Platzierung infolge des späteren Schwimmstarts hinnehmen zu müssen. Aufgrund der kalten Außentemperatur verzichteten die TRC-Raketen auf das Einschwimmen.

Im Vorfeld und Nachgang des Rennens wurde viel darüber diskutiert, ob nicht ein zuschauerfreundlicherer Massenstart von 3000 Athleten, die über einander herfallen zu einem „echten“ Iron Man genauso dazu gehört wie das Verbot des Fahrens im Windschatten des Vordermannes. Aus Teilnehmer-Sicht waren durchweg positive Stimmen zu vernehmen. Lediglich auf Hawaii, so die einhellige Meinung der TRC-Athleten, sollte der Massenstart weiterhin dazu gehören. Während der gewünschte Effekt einer Verringerung des Drafting-Phänomens auf der Radstrecke ausblieb, gab es den Nachteil einer schlechteren Einschätzung der eigenen Platzierung im Feld. Zudem sind weitere Alternativen, beispielsweise ein nach Altersgruppe gestaffelter Schwimmstart, zu erwägen.

2. Wettkampf-Einteiler: Infolge einer Änderung des Reglements war es in diesem Jahr erstmals erlaubt, aerodynamisch günstigere Einteiler, die beide Schulter abdecken unter dem Neo anzuziehen. Dabei muss, im Gegensatz zu den schulterfreien Einteilern, der Oberkörper unter dem Neo frei bleiben.

Abb. 9 – 3000 Schwimmer in Erwartung des rollenden Starts

Nun zum eigentlichen Wettkampf: Carsten als ausgezeichneter Schwimmer legt einen fulminanten Start hin. Nach 52:51min verläßt er, auf dem 6. Platz seiner AK liegend, das Wasser. Bereits nach 4:52min sitzt er auf dem Zeithobel in Richtung Frankfurt und rast an der frierenden und entkräfteten Weltmeisterin Danela Ryf vorbei.

Die Radstrecke führt zunächst über eine schnelle Passage von der ersten Wechselzone nach Norden in Richtung Frankfurt und anschließend in einen 2x 84km langen Rundkurs. Dieser beginnt mit einem ersten Anstieg, liebevoll „The Beast“  genannt, in Wachen-Buchen. Tour de France Atmosphäre kommt während des zweiten Anstiegs bei Hochstadt auf, der aufgrund des Kopfsteinpflasters auf der Strecke des malerischen Fachwerkstädtchens mit am Wettkampftag „The Hell“ genannt wird. Aus gutem Grund folgt kurz darauf eine Service-Station, bevor nach einem langen Anstieg, dem „Hühnerberg“ eine sehr schnelle aber wellige Passage nach Friedberg folgt. Dort, am nördlichsten Punkt der Strecke, darf man sich auf den noch schnelleren Abschnitt bis zum „Heart Break Hill“ in Bad Vilbel freuen. Dort warteten die zahlreich angereisten Supporter des TRC, um ihre Athleten Anfeuerungsrufen den Hügel hinauf zu tragen. Danach rollt man in die Frankfurter Innenstadt, um entweder in die Zweite Runde oder auf die Laufstrecke losgelassen zu werden.

Abb. 10 – Kopfsteinpflasterpassage „The Hell“

Die flotten 5:07:43 reichten Carsten bei der hohen Leistungsdichte in der AK40 für den 29. Platz. Nach 2:32min verließ er die zweite Wechselzone, um nach dem anschließenden Marathon in 3:57:49 als 99. Der Altersklasse 40 mit einer Netto-Gesamtzeit von 10:05:51 an den cheer-leaders vorbei den Zielbogen zu passieren. Auf ihn warteten eine schwere Medaille und wohltuende Massage. Außerdem bereits geduscht und umgezogen sein Mannschaftskollege Markus.

Abb. 10 – Zieltunnel auf dem Römer

Markus ist bekanntermaßen ein Athlet, der aufgrund des geringen Fettanteils warme Temperaturen bevorzugt. Daher hatte er bereits beim australischen Ausstieg nach 1,5km mit Wadenkrämpfen zu tun, weshalb er das Tempo drosseln musste. Mit 55:51 und dem 8. Rang in der AK50 konnte er dennoch eine passable Schwimmzeit aufweisen. Die Wadenkrämpfe verhinderten jedoch die Entfaltung seines vollen Potentials auf der Radstrecke. Als 13. der Altersklasse biegt Markus nach nur 5:09:08 mit dem einsetzenden Regen in die 2. Wechselzone ein, die er nach nur 2:16min wieder verlässt, um wie eine Nähmaschine seine vier Runden in einem gleichmäßigen und konstanten Tempo abzuspulen. Böcherer und Kienle kamen im Rahmen ihres „badischen iron war“ nur langsam an ihm vorbei, daher war er noch lächelnd im Live-Stream des hessischen Rundfunks im Fernsehen zu bewundern. Dabei überholte er reihenweise Athleten sämtlicher Altersklassen, um als 4. der AK50 in den unvergesslichen Zieltunnel auf dem Römer einzubiegen. Als er erfuhr, dass er neben dem Titel des deutschen Vizemeisters den gewünschten Hawaii-Slot gewonnen hat, sind die Freudentränen nicht mehr zurück zu halten. Bei den zahlreichen Langdistanzrennen der Vergangenheit hat er sich nach eigener Angabe noch nie so früh und hart sich für einen Ironman vorbereitet. Der begeisterte Jubel und Respekt der Unterstützer live vor Ort und über die verschiedenen Kommunikationskanäle waren ihm sicher.

Abb. 11 – Einleitung der Regenerationsphase im Ziel

Normalerweise kommt Najib hingegen mit der Kälte gut zu Recht. Sein Potential beim Schwimmen hat er als Ironman Rookie offenbar unterschätzt, daher musste er aus dem Kräfteschonenden Wasserschatten mehrmals heraus schwimmen und nach vorn durchkämpfen. Mit einer Schwimmzeit von 1:01:37 glücklich, galt es noch die zwei weiteren Disziplinen seiner ersten Langdistanz zu überstehen. Mit einem Radsplit von 5:21:26 blieb er im anvisierten Zeitfenster. Gegen Ende der zweiten Radrunde frischte der Gegenwind auf und erforderte mehr Kräfte-Einsatz. Die Weisheit des Mannschaftskapitäns vom Vortag: „Gegen Ende des Radfahrens wünscht man sich bald laufen zu dürfen. Zu Beginn der Laufstrecke sehnt man sich das Rad wieder herbei“ hatte sich bewahrheitet. So kam es, dass nach der letzten Verpflegungsstation in Bad Vilbel just dann der Regen einsetzte als im Hinblick auf den bevorstehenden Marathon das Tempo gedrosselt und der Puls herunter geregelt wurde. Mit kaltem Bauch übergab Najib sein Zeitrad und passierte nach 3:37min die zweite Wechselzone. Der kühle Bauch und Verpflegungsfehler führten zu mehreren Aufenthalten in hellblauen Häuschen. Die 4:16:58 auf der Marathonstrecke sind daher noch schmeichelhaft. Mit der Entdeckung von Red Bull auf der letzten Laufrunde und dank der Anfeuerungsrufe der besten Unterstützer der Welt, konnte er einen Schlusssprint auf den letzten Kilometern hinlegen und für einen Debüt auf der Langdistanz passable 10:49:06 nach Hause bringen. Die Worte „You are an Iron Man“ drangen unter dem lautstarken Jubel der TRC-Supporter nicht mehr zu seinen Ohren.

Christian war mit dem Ziel angetreten, in jedem Falle zu finishen. Mit 1:30:59 ließ er sich mit dem Schwimmen und anschließenden Wechsel etwas Zeit, um die anschließende Radstrecke trotz Regens und Gegenwind in 6:18:16 Souverän zu meistern. Beflügelt von der guten körperlichen Verfassung nach dem Radfahren wechselte nach nur 4:32min auf die Laufstrecke und verbesserte sich zielstrebig um mehrere Plätze in seiner AK. Mit einem Marathon von 4:13:26 passierte er nach insgesamt 12:15:18 erleichtert und stolz die Zeitmessung im Ziel.

IV. Nach dem Iron Man ist vor dem Iron Man

Am Montag müssen die Athleten die schweren Beine bewegen, um bei der Siegerehrung die Kona-Slots persönlich abzuholen und die Startgebühr an Ort und Stelle zu entrichten. In einer denkwürdigen Veranstaltung werden die begehrten Startplätze zur WM am 08. Oktober 2016 unter den anwesenden Athleten verteilt. Neben Markus Kriege hat sich Birgit Querdel bereits im vergangenen Jahr in Vichy für die WM auf Hawaii qualifiziert. Auch die ersten Supporter haben sich bereits für Kona angekündigt.

Abb. 12 – Siegerehrung und Hawaii-Qualifikation

V. Resümee

Das Resümee einer gelungenen und gezielten Vorbereitung sind vier erfolgreiche Finisher, ein erfolgreiches Debüt, eine Hawaii–Qualifikation und ein entfachtes Feuer das dazu geführt hat, dass sich aktuell bereits Zehn Athleten für eine Langdistanz in 2017 angemeldet haben. Daher versprechen die kommenden 12 Monate spannende Zeiten der Vorbereitung und des Wettkampfs für die Athleten des TRC Essen.

Carsten im Brahm