Tja, wo fang ich an und wo höre ich auf. 10:31h war ich unterwegs und diese Zeit ist eigentlich nur ein kleiner Teil der gesammmelten Momente und Erfahrungen auf dem Weg nach Roth.
Nur wenige Tage nachdem ich letztes Jahr unter anderem meine Schwester in Roth zum anfeuern begleitet habe, entschied ich mich dazu auch meine erste Langdistanz im schönen Mittelfranken in Roth zu bestreiten. Gesagt getan.
Nur 1Jahr später stand ich anstatt außerhalb diesmal innerhalb der Wechselzone am Main Donau Kanal in Hilpoltstein. Erste Zweifel kamen auch auf, „Habe ich wirklich genug gemacht?“ „Soll ich meinen im Kopf zusammengebastelten Plan nochmal komplett über Bord werfen und doch alles anders angehen?“ „Wo sind eigentlich alle Supporter und speziell Kathi wenn ich die wirklich mal alle brauche?“ J. Egal….. Mir haben ja schon alle mind. 20mal heute viel Glück gewünscht….. Aber ein 21. Mal wäre vielleicht auch schön…. Mhmmm „Oh Shit. Schon 7uhr. In 15min geht’s schon los“. Schnell Neo an und ab zum Start.
Pünktlich um 7:15uhr ging auch der Startschuss. Noch einmal die Worte von meinem Trainer ins Gedächtnis gerufen „Halt dich bloß aus den typischen Schlägereien am Schwimmstart raus und schwimm langsam los“. Gesagt getan. Nach 5min habe ich dann auch mein Rhythmus gefunden und bin so gut wie die gesamte Strecke alleine geschwommen. Ich wollte einfach mein Tempo schwimmen und bei ca. 10-11h Wettkampfdauer kommt es nun auf die 1-2 Minuten auch nicht an.
Aber ca. 800m vor dem Ziel habe ich dann doch noch eine Gruppe erwischt. Nämlich die, die ich mittlerweile eingeholt habe. Leider fast alles Brustschwimmen J. Gefühlt alle Schwimmer der vorherigen 6 Gruppen. Ab hier hieß es Slalomschwimmen. Aber wer im Winter in freien Hallenbäder trainieren muss, kann sowas auch nicht schocken. Hat eigentlich nur die nette Omi im Schwimmstil „Altdeutsch Rücken“ gefehlt.
Nach exakt 01:05min stieg ich aus dem Kanal und war somit voll auf Kurs.
Und wieder kommen die Worte aller Langdistanzerfahrenen Kollegen und die von Benja ins Gedächtnis. „Fahr langsam los.“ „Stell Dir vor auf dem Plan steht 20km einfahren anschließenden 160km Radfahren mit etwas Druck“. Gesagt getan….. fast. Wattvorgabe von ca. 220Watt wurde direkt mit 230Watt auf den ersten 10min übertroffen. „Mist…. Aber die Beine fühlen sich sooooo locker an“. Rausnehmen, Rausnehmen, Rausnehmen. Nach ca. 15km Rennverlauf habe ich dann auch meinen Tritt gefunden und bin sogar unter den 220Watt geblieben, da aufgrund der sehr guten Wetters die KM/H Zahl mehr als erfüllt wurde. Also „Voll im Soll“.
In Heideck bei KM 20 stand dann auch die erste Supporter Truppe am Berg um mich und andere Freunde und Bekannte anzufeuern. Kurz vor Hilpoltstein bemerkte ich plötzlich ca. 7-9 Radfahrer in meinem Windschatten. Mit etwas Testosteron beladener Ansage an die Windschattenkollegen trete ich 5min in die Pedale und schwups sind die Vollpfosten alle weg. „Idioten. Nicht weiter aufregen. Die siehst du nicht mehr wieder“ Recht gehabt.
Am Anstieg nach Hilpoltstein rein stand dann auch Benja. Nur hier musste ich ihn erst mal, vielleicht immer noch etwas testosteronbeladen, anbrüllen, dass ich nun da bin. Mit einem Lachen gings weiter und ich hörte wie Benja mir zurief „Ich will ein Kind von Dir“. „Oh man, hoffentlich hat Kathi das nicht gehört“. Die steht doch schon am Solarer Berg. So zumindest war es abgesprochen. Nix da. Puste Kuchen. Niemand stand da. Außer Altmeister Kriege, der aber bi dato noch mehr mit seiner Kamera als mit dem Anfeuern beschäftigt war. Vielleicht hat er mich auch einfach nur nicht gesehen.
Beim kleinen Anstieg zum Schwimmstart hoch standen dann aber Kathi, Steffi, Kai, Rike, Steffen und Caro. „Wie ist die Lage?“ „Super“ rief ich zurück und dachte mir „hoffentlich hat Kathi das mit dem ich will ein Kind von Dir wirklich nicht mitbekommen“ :-).
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36km/h und ca. 216Watt im Schnitt gings in die 2. Runde. „Viel zu schnell dachte. Eine sub5 auf dem Rad brauch ich nicht für heute. Rausnehmen.“ Also ging ich bewusst langsamer die 2. Runde an. Hier wieder in Heideck der super TRC Supporter Trupp. Und in Hilpoltstein, diesmal am solarer Berg auch Kathi und Co. „Aber wieso stand Benja in Hilpoltstein nicht mehr „Hat Kathi den etwa doch verprügelt?“ Ich nehme die wahrscheinlichere Variante und denke mir „Simon Jung, sein 2. Athlet hier im Start, ist schon gleich auf der Laufstrecke. Der steckt bestimmt schon da“…..
Ohne jegliche weitere Probleme gings nach der 2. Runde nach Roth rein zur Wechselzone 2. Mit Anfangs doch etwas schweren Beinen machte ich mich auf. Und hier weiter die Worte „Langsam angehen, langsam angehen, langsam angehen“. Gesagt getan. Fast….. Eigentlich wollte ich ein 5:10 Tempo anschlagen. Der erste Km ging aber in 4:40min weg. Scheisse…. Was soll das? Ist die Uhr kaputt? Aber das fühlt sich doch so locker an….. Und wieder. Rausnehmen und auf die Bremse drücken. Am Stimmungsnest „An der Lände“ haben mich dann der TRC Supporter Trupp noch in letzter Sekunde erkannt und zugerufen. Ich lächelte zurück. Denn hier konnte ich noch lächeln.
So fand ich dann auf dem Weg entlang des Kanals mein Tempo. Einige Stimmungsnester und Verpflegungsstationen gings dann bei km15 einen kleinen Anstieg hoch. Hier sagte mir mein Kopf erstmals „Kollege, hier kannst du ruhig mal gehen. Das hast du Dir verdient“ „Na gut dachte ich mir. Wenn mein Kopf mir das sagt mach ich das auch“. Und das war im Nachhinein betrachtet einer der größten Fehler an diesem Tag. Denn die Beine hätten mich noch locker weiter tragen können, aber der Kopf hatte einfach nach 8h WK kein Bock mehr. Es fehlte mir einfach etwas an mentaler Stärke um gegenzuhalten. Noch eine kurze Pause zum pinkeln eingelegt und so ging es dann aber bis zur Lände weiter. Den Halbmarathon passierte ich in etwas unter 2h…. So ein Mist. Total deprimiert und in einem mentalen Loch ging ich wieder einige Meter, bis mir meine Schwester sowas von den Arsch versohlt hat, dass ich weiterlaufen musste. Weiter gings, ausnahmsweise wieder am Kanal. Ab hier war leider immer nur wieder ein Wechsel zwischen gehen und laufen möglich. Auch die Anfeuerungsversuche von Markus und Nathalie halfen nur bedingt…… Aber sie halfen. So kam ich dann bei km 28 aus meinem mentalen Loch wieder heraus und ich freute mich auf das 30km Schild, was für mich als „Bald ist es geschafft“ Bild fungierte. Wieder etwas aufgepeppelt durch die Anfeuerung durch Markus und Nathalie gings wieder an den Kanal. Und hier stand plötzlich Benja, wie immer oben Ohne, herum und begleitete mich auf seinem Rad fast bis ins Ziel. Ich fand langsam wieder mein Tritt und ging eigentlich nur noch an den Verpflegungsstationen.
Bei km35 fühlte ich mich auch noch den Umständen entsprechend akzeptabel. Steffen und Caro waren anscheinend etwas verwundert, wie fit ich noch aussah. Doch dann bei km 37 musste ich erfahren, was es bedeutet, wenn der Körper wirklich nicht mehr kann und nicht nur der Kopf einen sagt dass man aufhören soll. Da ging auch leider nichts mehr trotz toller Anfeuerungsversuche und Begleitung durch Kathi. Ich war leer. Und zu guter Letzt begleitete mich auch noch einmal meine Schwester. „Meine Güte, die sieht mich heute auch nur wandern“ dachte ich mir…. Also ein paar Schritte traben war ich ihr schuldig. Dann gings noch in die Rother Altstadt und ich sah das Schild „40km“ Dieses bedeutet jetzt wirklich, dass ich es fast geschafft habe. Dann nochmal Kai und Rike die mich an einem kleinen Anstieg in der Stadt anfeuerten. Und noch die letzte Verpflegungsstation. Doch 20m nach der Verpflegungsstation wollte mein Magen nicht mehr. Anscheinend war die letzte Cola nicht mehr gut 🙂 Die wollte einfach raus. So hat die Rother Altstadt nun auch ein Andenken von mir. Aber jetzt ging es auf den letzten 1,5km auch wieder im Schlürfschritt weiter und ich sah den lang ersehnten roten Teppich, der auf direkten Weg ins „Triathlonstadion“ führt. „GESCHAFFT“….
Wirklich fix und fertig erreichte ich in 10:31:54 das Ziel. Noch schnell die Zurufe der ganzen Supporter genossen und schnell ins Finisher Ziel. Etwas die Beine hochgelegt. Nachdem sich der Kreislauf etwas beruhigt hat, konnte ich dann auch wieder raus zu Kathi den Anderen um die Glückwünsche entgegenzunehmen.
Ich hatte im Vorfeld eine 10:30 als grobe Marschroute ausgegeben. Sprich genau gepackt. Ob ich nun bei langsamerer Radzeit schneller hätte laufen können? Man weiß es nicht. Aber ein paar Optimierungen muss ich mir ja für meinen nächsten Start offen halten. Denn es ist definitiv nicht meine letzte Langdistanz.
Roth. I will be back!
Besonderen Dank natürlich an Kathi, die mich in den letzten Wochen in einer sehr angespannten Stimmungslage ertragen musste 🙂
Danke auch an alle anderen Supporter, die ich jetzt leider gar nicht allesamt aufzählen kann. Danke Danke Danke!
Zu erwähnen sei auch die super Zeit von Gloria, die ihre ebenfalls ihre erste Langdistanz in 11:38:57 finishte. ganz stark!
Ergebnisse aller TRC Athleten
Gloria Löbbert (11:38:57)
Swim: 01:10:47
Bike 05:34:58
Run 04:44:27
Dirk Schmidt (12:38:55)
Swim 01:38:14
Bike 06:02:10
Run 04:45:15
Sven Schillings (10:31:54)
Swim 01:05:49
Bike 05:05:16
Run 04:15:32