Trans Vorarlberg Triathlon Das bedeutet 1.200 m Schwimmen im Bodensee, 102 km Radfahren von Bregenz nach Lech und ein 12 km langer Crosslauf in Lech. Was ist das nun für eine Distanz? Kurz- oder Mittel- oder vielleicht eine verkürzte Langdistanz? Egal. Sie erschien mir genau richtig für diese Saison, in der ich verletzungsbedingt so gut wie kein Lauftraining absolvieren, jedoch jede Menge Radkilometer sammeln konnte. Außerdem hatten wir ohnehin geplant, unseren diesjährigen Familienurlaub in Vorarlberg zu verbringen. Kurz vor Ablauf der Meldefrist habe ich mich dann entschlossen, in Bregenz an den Start zu gehen.
In den Tagen vor dem Wettkampf schlug meine Vorfreude jedoch in Frust um. Nach zwei Wochen schönstem Sommerwetter war genau für den Wettkampftag ein Wetterumschwung vorhergesagt. Eine Kaltfront mit Dauerregen und Temperatursturz war angekündigt. Immerhin sollte uns die Radstrecke auf rund 1.700 m Höhe über NN führen. Das bedeutete einstellige Temperaturen, auch wenn der Kalender noch auf August stand. Ich überlegte, alles abzusagen, das Hotel zu stornieren und direkt von unserem Urlaubsort St. Gallenkirch nach Hause zu fahren und die letzten Ferientage in der Heimat zu verbringen. Dass ich mich dann doch entschloss zu starten, habe ich nicht bereut.
Der Trans Vorarlberg Triathlon ist nicht nur sportlich, sondern auch logistisch sehr anspruchsvoll. Zwischen Start und Ziel liegen rund 100 km und 1000 Höhenmeter. Rad- und Laufkleidung, trockene Wechselkleidung – alles musste in verschiedenen Beuteln verstaut und zum Teil am Vortag abgegeben werden. Auch die Räder mussten bereits einen Tag vorher in der Wechselzone platziert und vor dem erwarteten Regen geschützt werden. Der kam dann auch pünktlich mit viel Wind am Samstagnachmittag. Der vorher so friedliche Bodensee verwandelte sich binnen Minuten in ein wellenbewegtes, dunkles Gewässer. Hoffentlich beruhigt er sich bis morgen wieder, hoffte ich.
Pünktlich um 8:00 Uhr fiel dann am Sonntagmorgen der Startschuss und der See hatte sich tatsächlich wieder beruhigt. Auch die Temperaturen erschienen mir erträglich. Das lag aber vielleicht daran, dass ich den Weg vom Hotel bis zum Start bereits im Neo zurückgelegt hatte. Es hatte die Nacht über geregnet aber am frühen Morgen dann aufgehört. Das Schwimmen lief gut, obwohl ich beim Start etwas zu weit hinten eingestiegen war und dementsprechend einige Konkurrenten überholen musste. Nach gut 21 Minuten verließ ich das Wasser, schnappte mir meinen Radbeutel und lief in Richtung Wechselzelt. Das war jedoch erkennbar überfüllt, so dass ich entschied, mich in dem Bereich davor, kurz hinter der Bregenzer Seebühne umzuziehen. Wegen des schlechten Wetters war ich nicht im Einteiler gestartet sondern musste nun umständlich Unterhemd, Radtrikot, Armlinge und Handschuhe anlegen und vorsichtshalber auch eine Regenjacke in die Trikottasche stopfen. Genau die richtige Wahl, wie sich später herausstellen sollte. Denn ganz ohne Regen sollte ich dann doch nicht davon kommen.
Die ersten Radkilometer fuhren sich ganz locker und führten zunächst auf überwiegend flacher Strecke durch das Bregenzer Stadtgebiet. Als es dann nach etwa 12 Kilometern in den Bregenzer Wald ging kam die erste Steigung, zwar nicht besonders steil aber stetig etwa 250 Höhenmeter bergauf. Das ist für einen Vorarlberger nicht viel. Für jemanden wie mich, der seine Radkilometer zwischen Essen und Düsseldorf sammelt jedoch schon beachtlich. Ich wurde überholt, nicht nur sporadisch, sondern gefühlte alle 10 Sekunden fuhr ein drahtiger rhythmisch tretender Konkurrent locker an mir vorbei. Lediglich auf den folgenden kurzen Abfahrten konnte ich mich hin und wieder revanchieren. Wo waren die nur alle beim Schwimmen?
Ab etwa Kilometer 35 folgte ein überwiegend flacher bzw. hügeliger Streckenabschnitt von etwa 30 Kilometer Länge, den ich überwiegend auf dem Auflieger absolvierte. Kurze Zeit davor hatte erstmals Regen eingesetzt. Ich ließ die Regenjacke jedoch noch in der Trikottasche und hoffte auf Besserung. Es war nun erträglicher Nieselregen, der mich begleitete aber nicht weiter störte. Zusammen mit den dünnen tief hängenden Wolken gab er der Landschaft etwas Mystisches. Ich hatte viel Zeit, um dieses Bild und diese Stimmung zu genießen. Fast unbemerkt wurde es immer alpiner und ein Blick auf den Kilometerzähler zeigte mir, dass der Höhepunkt der Radstrecke, der Hochtannbergpass, nicht mehr allzu weit entfernt sein konnte.
Der Hochtannbergpass meint es zunächst gut mit seinen Bezwingern. Er fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus, indem er eine steile Rampe in den Weg stellt. Nein, er fängt moderat an mit etwa 4 bis 6 %, verhält sich dann aber progressiv und gegen Ende sind es dann bis zu 14 %, die mir bestätigen, dass ein 28er Ritzel hier genau die richtige Wahl war. Ich ließ mir für die rund 1.000 Höhenmeter vergleichsweise viel Zeit und wurde wieder von vielen Mitstreitern und Mitstreiterinnen überholt. Aber ich kannte die Strecke nicht und wusste nicht, was mich noch alles erwartete.
Auf der Passhöhe legte ich einen kurzen Stopp ein, um die Armlinge noch ein letztes Mal hochzuziehen und doch noch in die Regenjacke zu schlüpfen. Denn hier oben war es richtig kalt. 7 Grad und Nieselregen. Aber ich war glücklich, auch die zweite Disziplin geschafft zu haben. Es fehlten zwar noch etwas mehr als 10 km. Aber ich wusste, dass die sich nun wie von selbst fuhren. Denn ab jetzt ging es nur noch bergab. Wieder konnte ich trotz nasser Fahrbahn einige wenige Plätze gut machen.
Als ich dann mit einer Radzeit von 4 Stunden 27 Minuten in Lech in der Wechselzone eintraf, merkte ich dass der kalte Fahrtwind während der Abfahrt eine unangenehme Wirkung erzielt hatte. Meine Beine und besonders die Füße waren stark ausgekühlt und fast gefühllos. Das änderte sich schnell, denn die zweimal zu absolvierende Laufstrecke begann mit einer kurzen steilen Rampe, die ich nur gehend bezwingen konnte. Oben angekommen kam ich schnell in einen langsamen Rhythmus. Auch die Laufrunde hatte einiges an Höhenmetern aufzuweisen. Sie führte teils über Wiesen teils, durch den Wald auf überwiegend unbefestigten, schmalen Wegen. Besonders hart erwiesen sich die kurzen steilen Berg-ab-Passagen auf Asphalt.
Das Laufen lief erstaunlich gut, obwohl ich kaum trainiert hatte. Aber ich merkte nun, dass ich schon weit über fünf Stunden unterwegs war und keine Reserven mehr hatte. Nach 6 Stunden und 10 Minuten erreichte ich das Ziel mit der Gewissheit, heute alles gegeben zu haben.
Trotzdem werde ich versuchen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.
Peter