
Das Schöne am Triathlon ist, dass es offenbar keine Grenzen gibt. Und wenn doch welche drohen, werden sie einfach verschoben. Entweder die Distanzen werden immer länger, schließlich ist die klassische Ironman-Langdistanz von 3,86 km Schwimmen, 180 km Rad und 42,195 km Laufen schon seit Jahren kein Limit mehr für diejenigen, die immer noch mehr wollen. Oder die Rennen werden immer schwerer, was für Mareike Eißmann vom TRC Essen 84 eine gute Option darstellte, nachdem sie im letzten Jahr zunächst in Hamburg Europameisterin in der AK35 wurde und nachfolgend die Farben der Ruhrstadt bei der Weltmeisterschaft beim legendären Ironman Hawaii vertrat.
Das neue Ziel war mit dem Austria Xtreme also schnell ins Auge gefasst, die grundsätzlich gleichen Ironman-Distanzen sind allerdings mit der Kleinigkeit von knapp 6000 Höhenmetern gespickt und die Tatsache, dass über 1500 davon auf der Laufstrecke vorzufinden sind, macht das Rennen in der Steiermark noch einmal härter als beispielsweise den in den französischen Hochalpen ausgetragenen Embrunman.
Entsprechend früh machte sich das illustre Starterfeld von lediglich 80 Athletinnen und Athleten am warmen Samstagmorgen auf den Weg, die Schwimmstrecke findet in der Nähe von Graz in der frisch temperierter Mur statt. Dass es sich dabei nicht um Mareikes Lieblingsdisziplin handelt, ist schon länger kein Geheimnis mehr, dass sie diese ab in nur etwas mehr als einer Stunde hinter sich bringen würde, schon eher. Somit hatte sie eine gute Ausgangsposition für die folgenden 180 außerordentlich anspruchsvollen Radkilometer mit den drei Pässen Gaberl, Schönberg / Kammersberg und Sölkpass – vielleicht nicht die klangvollsten und bekanntesten Namen im Radsport, aber mit etlichen steilen Rampen, insgesamt etwa 4000 Höhenmetern und technisch schwierigen Abfahrten etwas für echter Könnerinnen und Könner.
Zwar war die Devise „ich gehe konservativ an“ ausgegeben, aber entweder agierte die Konkurrenz ähnlich oder Mareikes Niveau war einfach zu hoch, denn schon bald hatte sie sich an die Spitze im Frauenfeld geschoben – und machte, nebenbei gesagt, auch vielen Männern das Leben schwer – und bis zum Ende der zweiten Disziplin einen Vorsprung von über einer halben Stunde herausgefahren. Die mitfiebernden Fans wurden dabei vorzüglich von Ehemann und Supporter Jens informiert, der auf der Laufstrecke auch noch zu einem großen sportlichen Einsatz kommen sollte, denn das Reglement sieht eine dauerhafte Begleitung auf den letzten 17 km vor. Nicht ohne Grund, denn auf dem Weg zur Südwandhütte am Dachstein sind die finalen knapp 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Mareike den Vorsprung bereits auf fast eine Stunde ausgebaut und lief dem sicheren Sieg entgegen.
Die Führung immer weiter ausbauend, kam nur noch einmal eine stressige Situation auf: Kurz vor den Ziel machte ein möglicher Streckenrekord die Runde, so dass Jens noch einmal alles geben musste, um seiner davonstürmenden Ehefrau zu folgen. Und so lief Mareike Eißmann nach 13:25:20 als erste Frau über die Ziellinie, insgesamt waren nur zehn Männer (unwesentlich) schneller, den Streckenrekord tütete sie quasi im Vorbeigehen mit ein, während die zweite Frau erst etwa eineinhalb Stunden später mit einer immer noch sehr guten Zeit ins Ziel gelangte. All dies unterstreicht die Ausnahmeleistung der Athletin vom TRC Essen 84.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser unglaublichen Leistung – und wer weiß, welche Ideen jetzt schon wieder in Mareikes Kopf herumspuken.